Neckarwasserwerk Berg – Transformation einer Infrastrukturanlage
Masterarbeit von Fabian Schwarz
Wie kann Infrastruktur wieder sichtbar und Wasser als Ressource erlebbar werden? Der Entwurf transformiert das ehemalige Neckarwasserwerk Berg in Stuttgart zu einem öffentlichen Ort, an dem der Wasserkreislauf räumlich und sinnlich erfahrbar wird. Ein Naturfreibad mit stehender Surfwelle, aufbereitetes Neckarwasser und neue öffentliche Nutzungen machen die verborgene Infrastruktur der Stadt wieder sichtbar und schaffen ein neues Bewusstsein für Wasser, Denkmal und Umwelt. Verfasst wurde der Entwurf als Masterarbeit im Studiengang Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart von Fabian Schwarz.
Infrastruktur sichtbar machen
Die Arbeit untersucht die Unsichtbarkeit urbaner Infrastruktur am Beispiel des ehemaligen Neckarwasserwerks Berg in Stuttgart. Infrastruktur bildet die Grundlage des städtischen Lebens, bleibt heute jedoch meist verborgen. Dadurch geraten sowohl die Abhängigkeit der Stadt von natürlichen Ressourcen als auch die ökologischen und sozialen Auswirkungen infrastruktureller Systeme aus dem öffentlichen Bewusstsein. Besonders Wasserinfrastrukturen sind hoch technisiert, abgeschottet und räumlich kaum wahrnehmbar. Der Neckar wird in Stuttgart überwiegend als Verkehrskorridor verstanden und kaum als öffentlicher Raum oder Ressource wahrgenommen.
Das ehemalige Neckarwasserwerk Berg
Das Neckarwasserwerk Berg spielte eine zentrale Rolle in der Geschichte der Stuttgarter Wasserversorgung. Es wurde ab 1879 errichtet, zunächst zur Versorgung mit Brauchwasser genutzt und später zur Trinkwasseraufbereitung umgebaut. Mit der Inbetriebnahme der Bodenseewasserversorgung verlor das Werk an Bedeutung und wurde 1998 stillgelegt. Heute stellt es ein infrastrukturelles Relikt ohne öffentliche Nutzung dar.
Ein neuer Umgang mit Infrastruktur
Der Entwurf entwickelt ein Umnutzungskonzept, das Infrastruktur wieder sichtbar und erfahrbar macht. Ziel ist es, eine neue Erinnerungskultur zu schaffen, das Bewusstsein für Wasser als Ressource zu stärken und Infrastruktur als gesellschaftlich verhandelbaren Raum zu begreifen. Der denkmalgeschützte Bestand bleibt vollständig erhalten. Statt eines Abrisses verfolgt der Entwurf einen additiven Ansatz, der neue Nutzungen behutsam in die vorhandenen Strukturen integriert.
Naturfreibad und Wasserkreislauf
Zentraler Bestandteil des Entwurfs ist ein öffentliches Naturfreibad mit stehender Surfwelle innerhalb der ehemaligen Fällmittelanlagen. Neckarwasser wird über die historische Entnahmestelle angesaugt und durch mechanische sowie biologische Reinigungsprozesse aufbereitet. Pflanzenkläranlagen, Sandfilter und Membranfilter reinigen das Wasser, bevor es in den Schwimm- und Surfbecken genutzt wird und anschließend gereinigt dem Neckar zurückgeführt wird. Das Wasser verlässt das Gelände dabei in einem besserem Zustand, als es entnommen wurde.
Eine Infrastruktur, die Orientierung schafft
Eine sichtbar geführte Wasserleitung verbindet die verschiedenen Bereiche des Areals. Sie fungiert nicht nur als Infrastrukturelement, sondern zugleich als Wegeführung, Rankgerüst, Möbel und identitätsstiftende Struktur. Ergänzt wird das Programm durch Ateliers, Werkstätten, Vereinsräume, Veranstaltungsflächen sowie einen öffentlichen Brunnenraum, in dem aufbereitetes Neckarwasser als Trinkwasser zugänglich gemacht wird.
Wasser als öffentlicher Raum
Der Entwurf versteht Infrastruktur nicht als neutrales Hintergrundsystem, sondern als kulturelle und gesellschaftliche Praxis. Das ehemalige Wasserwerk wird zu einem öffentlichen Raum, in dem Wasser als Kreislauf räumlich und sinnlich erfahrbar wird – von der Entnahme über die Nutzung bis zur Rückführung in den Neckar. Dadurch entsteht ein Ort, der ökologische Verantwortung, soziale Teilhabe und die Sichtbarkeit urbaner Prozesse miteinander verbindet.
Zum Entwurf »Neckarwasserwerk Berg«
Hans-Peter Künkele, Projektleiter bei der IBA’27:»Die Stärke dieses Entwurfs liegt darin, dass er Infrastruktur nicht als technische Randbedingung versteht, sondern als städteplanerische Gestaltungaufgabe. Das ehemalige Wasserwerk wird zu einem öffentlichen Ort transformiert. Mit neuen Nutzungen wird das historische Areal Teil des städtischen Lebens. So entsteht eine Art ›Dritter Ort‹, an dem Wasseraufbereitung sichtbar und die ökologischen Zusammenhänge am Neckar erlebbar werden.«
Student
Fabian Schwarz
Betreuerin
Prof. Dr. Martina Baum
Prof. Dipl. Ing. Martina Bauer
