Remsriegel das Quartier der Generationen in Schorndorf

Entwurf von Josephine Eva Klatt und Malte Lars Henningsen / Master Architektur

Der Entwurf Remsriegel setzt sich mit dem IBA-Projekt »Quartier der Generationen« in Schorndorf auseinander. Im Zentrum steht die kritische Weiterentwicklung des städtebaulichen Entwurfs hin zu einem architektonischen Konzept, das Maßstab, Konstruktion und soziale Fragen verbindet. Verfasst wurde die Arbeit von Josephine Eva Klatt und Malte Lars Henningsen in ihrem dritten Mastersemester am Lehrstuhl Architektur und Holzbau an der Technischen Universität Graz.

Das Quartier

Als Teil der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) entsteht in Schorndorf auf dem Gelände des ehemaligen Bauhofs das »Quartier der Generationen« – ein zukunftsgerichtetes Stadtquartier, das neue Wege des gemeinschaftlichen Wohnens und Arbeitens erprobt. Der Entwurf »Remsriegel«, entwickelt im Entwurfsstudio des Instituts für Architekturtechnologie – Professur für Architektur und Holzbau, ist ein architektonischer Beitrag zu diesem städtebaulichen Konzept. Im Fokus des Studios standen sowohl der architektonische Ausdruck als auch die konstruktive Vertiefung – bis hin zum Maßstab 1:5.

Die Grundlage

Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung mit dem städtebaulichen Entwurf der ARGE Schürmann + Witry, Miriam Stümpfel und Blank Landschaftsarchitekten. In der Studiogruppe hinterfragten und diskutierten wir Struktur, Prämissen und mögliche Stellschrauben für die weitere Bearbeitung. Daraus wurden fünf Cluster abgeleitet – unser Fokus: Cluster 3, der »Remsriegel«. Ein 95 Meter langer, fünfgeschossiger Baukörper, der das Quartier zur Rems fasst und zugleich als durchlässiger Rücken zum Fluss fungiert.

Der Remsriegel

Das Erdgeschoss bildet eine offene Sockelzone mit öffentlich zugänglichen Nutzungen. Diese fördern soziale Interaktionen, beleben das Quartier und ermöglichen die Durchwegung zum Flussraum der Rems. In den oberen Geschossen befinden sich unterschiedliche Wohnformen: WGs für Studierende und Auszubildende, familiengerechte Wohnungen, gemeinschaftlich nutzbare Räume sowie kleine Einheiten für Alleinlebende. Ergänzt wird das Programm durch Arbeitsräume und zuschaltbare Wohnungen an den Stirnseiten. Das Dach bietet gemeinschaftlich nutzbare Flächen, Platz für die Energieversorgung durch bifaziale Solarmodule sowie extensiv begrünte Flächen im Sinne der Schwammstadt.

Die Konstruktion

Ein hochwasserresilienter Betonsockel bildet das Fundament. Darüber erhebt sich ein Holzskelettbau mit flexibel eingesetzten Holzrahmenwänden. Vier Betontreppenhäuser übernehmen Aussteifung und Erschließung. Die Decken bestehen aus verdübelten Brettstapelelementen. Die Fassade zeigt eine hinterlüftete, vertikal strukturierte Holzverschalung; davor eine rot lackierte Stahlstruktur mit Balkonen auf der einen Seite und einem vorgesetzten »Regal« auf der anderen. Diese Struktur fungiert als Pufferzone zur Remsgasse, erweitert das Haus nach außen und schafft offene, aneignungsfähige Zwischenräume. Der Riegel als Wand löst sich auf und beginnt zu flimmern.

Das Ziel

Dachgärten, gemeinschaftliche Küchen, Aufenthaltsräume und Grünflächen entlang der Rems fördern das kollektive Miteinander. Ziel ist ein Quartier, das Vielfalt zulässt und unterstützt – räumlich, sozial und ökologisch. Der Remsriegel versteht sich nicht als Solitär, sondern als räumlich-struktureller Möglichkeitsraum: ein Rahmen für unterschiedliche Nutzungen, Lebensformen und Aneignungen.

Zum Entwurf

Romina Christen, Projektleiterin bei der IBA’27: »Für uns als IBA’27 zeigt der Entwurf beispielhaft, wie sich das städtebauliche Konzept des Quartiers der Generationen durch einen konstruktiv durchdachten Holzbau architektonisch vertiefen lässt. Der Remsriegel verbindet zukunftsfähige Bauweise mit sozialer Vielfalt und schafft einen offenen Möglichkeitsraum für gemeinschaftliches Leben und Arbeiten. Der Beitrag überzeugt durch seine präzise Ausarbeitung, die klare Haltung zu nachhaltigem Bauen und die Fokussierung auf Gemeinschaft.«

Studierende

Josephine Eva Klatt
Malte Lars Henningsen

Betreuer

Univ.-Prof. Tom Kaden
Dipl.-Ing. Stefan Leitner

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